Die Prozessorientierte Schreibdidaktik unterteilt den Schreibprozess in Teilprozesse.

Prozessorientierte Schreibdidaktik

Wie haben Sie schreiben gelernt?

Zu Beginn Ihrer Schreiblaufbahn vermutlich als manuelle Fähigkeit, später auf Ebene von Rechtschreibung und Grammatik, zuletzt in Form wissenschaftlicher Formalia. Die traditionelle deutsche Aufsatzdidaktik konzentriert sich darauf, was gute Texte auszeichnet. Dabei bleibt die wichtigste Frage offen: Wie schreibt man gute Texte? Von der Grundschule bis zur Universität wird auf allen Ausbildungsstufen Schreibkompetenz verlangt, ohne dass sie unterrichtet wird. Das liegt daran, dass Schreiben im deutschsprachigen Raum nicht als lehr- und lernbares Handwerk, sondern als Talent gilt: Entweder man hat es, oder man sollte – zumindest beruflich – besser etwas anderes tun.

Schreiben ist ein komplexer Prozess

Doch selbst diejenigen, die beruflich schreiben, erleben Schreiben oft als mühsam. Das liegt an der Komplexität des Schreibprozesses: Inhalte suchen, auswählen, verstehen, verarbeiten, mit vorhandenem Wissen synthetisieren, sie außerdem strukturiert, zielgruppengerecht, verständlich und ansprechend aufbereiten, noch dazu sprachliche Normen und – in der Wissenschaft – wissenschaftliche Qualitätsstandards und Formalia einhalten. Angesichts all dieser parallel ablaufenden Prozesse "ist es eigentlich erstaunlich, dass es überhaupt zu einem Schreiben kommt".

Komplexitätsreduktion durch Aufspaltung

So gesehen sind Schreibende – wissenschaftlich Schreibende im Besonderen – systematisch überfordert. Dieser Überforderung begegnet die Prozessorientierte Schreibdidaktik durch Komplexitätsreduktion: Sie zerlegt den Schreibprozess in handhabbare Teilprozesse, für die sie jeweils konkrete Arbeitstechniken an die Hand gibt. Auf diese Weise entstehen mühelos geschriebene Rohtexte, die anschließend mit professionellen Mitteln überarbeitet werden.